Facebook du ekelst mich an!

Kalender 1. Februar 2011 Kategorie Hochitom2011,Meinung Kommentare 5 Kommentare

In letzter Zeit ertappe ich mich selbst immer wieder, wie ich gelangweilt auf Facebook zwischen meinem Profil und der Startseite herum springe ohne wirklich auf etwas zu warten. Nur um Zeit vergehen zu lassen. Dieses Wochenende stellte ich ein völlig neues Gefühl fest. Ich fühlte mich angeekelt. Nicht von den Leuten, mit denen ich befreundet bin (naja, ein wenig vielleicht doch), sondern vielmehr von der Seite selbst. Facebook hat sich zu einem Ungetüm entwickelt, langsam, still und heimlich. Finde ich zumindest. Diesen Sonntag war ich sogar kurz davor mein komplettes Facebook-Profil zu löschen, lies es dann aber doch sein.

Für den Erfolg von Facebook mache ich vor allem seine Offenheit verantwortlich. Es gibt kaum noch Seiten im Internet die mir nicht gefallen können. Entweder sind es Fanboxen irgendwo auf der Seite, oder “Gefällt mir”-Buttons unter Videos, Bildern und Texten. Weiter geht es mit einer eigenen Kommentarfunktion. Ich kann einen Kommentar auf einer Seite posten und alle meine Freunde können diesen Kommentar auf meinem Facebook-Profil ebenfalls lesen, egal ob sie die Seite kennen oder nicht. Für Webseiten-Betreiber ist das natürlich ein super Ding, denn so kann man neue Besucher gewinnen. Anhand eines persönlichen Beispiels (www.svakindberg.at) wären das rund 10 Prozent aller Webseiten-Besucher, die über Facebook auf die Seite kommen.
Doch Facebook ist nicht nur nach außen hin offen, auch nach innen. Täglich erscheinen neue Facebook-Apps welche die einen (wie mich) in den Wahnsinn treiben und die anderen zu Facebook bringen. Fast täglich fragen mich Leute ob ich ihnen nicht Kühe oder Ziegelsteine schicken soll, oder ob ich Küsse von irgendwelchen Leuten annehmen will. Zum Glück kann ich diese Anwendungen auch blockieren um eine Ruhe zu haben, aber fast einmal in der Woche muss ich neue Anwendungen blockieren um eine Ruhe zu haben. Aber den Leuten gefällt das anscheinend.
Aus genau diesem Grund ist Facebook auch so erfolgreich. Bisher kannte ich kein soziales Netzwerk welches Benutzerdaten via API zur Verfügung stellte (Flickr, Youtube, Video, etc. zähle ich hier nicht, die sind mir zu speziell!) oder Seiten für die man eigene Anwendungen programmieren konnte.

Die Offenheit nach außen hin stört mich nicht, die mag ich sogar. Aber diese Facebook-Anwendungen. Ich könnte verrückt werden. Wie ich es hasse Anwendungen immer und immer wieder blockieren zu müssen, neu Anfragen zu spielen ablehnen und ebenfalls blockieren zu müssen. Eine Zeit lang gab es dafür eine super Abhilfe. Facebook Lite war genau das richtige für mich. Ich konnte mir auf Profilen Bilder anschauen und Statusnachrichten lesen. Genau das wofür ich Facebook haben will. Mittlerweile steht Facebook Lite leider nichtmehr zur Verfügung, was ich sehr schade finde.

Facebook ist eine unheimliche Daten-Krake. Viel mehr noch wie Google. Ich stelle Facebook dafür nicht an den Pranger, wenn Leute so viel von sich preisgeben wollen dann sind sie eben selbst schuld. Facebook zwingt die Leute ja nicht dazu. Das einzige was ich Facebook negativ ankreide ist die Funktion “Adressbuch synchronisieren”, in der iPhone App. Denn hier wird damit geworben, dass man Facebook-Profilbilder und Links meinem Adressbuch am iPhone hinzufügen kann. “Füge Facebook-Profilbilder und Links zu deinen Kontakten hinzu”. Das hier mein komplettes Telefonbuch auch auf die Server von Facebook geladen wird, wird nirgends erwähnt. So habe ich unfreiwillig ca 500 Telefonnummern an Facebook weitergegeben. Das Facebook diese auch wirklich interessiert oder für irgendetwas benötig bezweifle ich zwar, trotzdem kam es mir komisch vor. Sicherheitshalber habe ich alle Nummern auf Facebook wieder gelöscht, weil ich nicht will das solche Daten im Internet stehen (ja schon klar, das meine Nummer auch unter herold.at zu finden ist). Vielleicht will mich Mark Zuckerberg mal anrufen, ich würde sicher nicht auflegen. Ich will aber auch nicht Telefonnummern von anderen Freunden und bekannten einfach ins Internet stellen. Facebook verwendet diese zwar unter dem Deckmantel “Verbesserung des Freundefinders”, aber mal ehrlich brauchen die dafür wirklich alle Telefonnummern?

Es war lange Zeit komplett egal, welche Daten Facebook von mir sammelt, doch seit ich mein komplettes Adressbuch auf Facebook gefunden habe, stelle ich mir so meine Fragen darüber. Ich gehe mit persönlichen Informationen auf Facebook relativ vorsichtig um. Vorsichtig deshalb, wenn ich mir ansehe was für Daten hier andere Leute bekannt geben. Vor ein paar Jahren hatte noch alle Angst, Google könne bald den gläsernen Menschen erfinden, da sie alles über uns wissen. Bei Facebook fürchtet sich niemand davor. Hier geben Leute unter ihrem echten Namen Telefonnummern, Adressen, Interessen, Religionen, Aufenthaltsorte, etc ein. Bei Google sammelte diese Daten auch, konnte sie aber nie einem gewissen Menschen zuordnen. Wenn ich bei Google nach meinem Namen suche, bekomme ich über 6.000 Treffer. Unheimlich viele Treffer und Bilder, aber eben kaum relevante Daten über mich, bis auf die von mir selbst ins Netz gestellten. Google kann die aber nicht mir zuordnen. Bei Facebook hingegen ist das anders. Ich lasse mir bereits seit 30 Minuten eine Datei meiner Facebook Daten erstellen um zu sehen was Facebook bereits über mich weiß. Facebook weiß bereits wie ich aussehe, wo ich wohne und was ich in meiner Freizeit mache. Zusätzlich wird es bald wissen, wo ich mich gerade aufhalte und in welche Lokale ich gehe. Facebook weiß mit welchen Leuten ich in Kontakt bin und kennt meine Familie. Die habe aber nicht ich angegeben, sondern meine Schwester, mein Bruder und mein Vater. Ich habe diese Beziehungen nur bestätigt, leugnen will ich sie dann aber doch nicht. Meine Schwester hat vor einiger Zeit einige Bilder aus unserer Jugend ins Netz gestellt und mich auf einigen Bildern markiert. Somit weiß Facebook nicht nur wie ich gerade aussehe, sonder auch wie ich mit zehn Jahren ausgesehen habe. Facebook hat also wesentlich mehr Informationen über mich in der Hand als Google. Ist das nicht erschreckend? Und wie kann ich diese ganzen Daten von mir nun löschen? Einfach das Profil löschen spielt es bei Facebook nicht, denn die Daten bleiben weiterhin gespeichert, falls ich es mir anders überlege. Eigentlich ein nettes Feature, aber wie kann ich meine Daten nun wieder löschen?

Ganz egal, dieser Artikel hat sich irgendwie in eine total falsche Richtung entwickelt. Aber ich stelle fest, es gäbe genügend Stoff um ein Buch darüber zu schreiben. “Facebook die Datenkrake”. Eigentlich wollte ich mit diesem Artikel ja über Facebook und seine Benutzer stänkern und wie mir dieser Scheiß auf die Eier geht, aber ich wollte nicht in dieses dämliche Datenschützer-Klische abdriften. Denn ich ich kann meine Daten auch verdammt gut verbergen, wenn man sich nur mal in den Untiefen dieser Einstellungen herumschlägt.

Nach einer Stunde hat es Facebook mittlerweile auch geschafft, meine Daten in eine 13MB große Date zu packen und mir zum Download anzubieten. Nun bin ich echt schon gespannt, was ich darin alles finden werde. Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass von jedem der fast 600 Millionen Nutzer 13MB an Daten bei Facebook gespeichert sind, müssten das ungefähr 7.600 Terrabyte an Daten sein die Facebook von all seinen Mitgliedern gespeichert hat. Was sich in dieser 13MB großen Datei alles versteckt werde ich mir morgen in aller Ruhe anschauen.

Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Grund dieses Artikels. Meinen Hass auf Facebook. Fast wöchentlich wird eine neue Sau durch das Facebook-Dorf getrieben. Immer wieder liest man von Kettenbriefen, welche man unbedingt an 30 Leute weiter schicken muss um nicht bald eine Gebühr für Facebook bezahlen zu müssen, denn nur so kann Facebook überprüfen ob mein Account noch aktiv ist. Als ob das nicht anders gehen würde ;) Fast wöchentlich sind Kettenbriefe mit Viruswarnungen im Umlauf. Als ob ich es nicht von selbst verstehen würde, das “hahaha Foto irgend ein link” nur eine automatisch generierte Chatnachricht ist. Was mich ebenso stört sind diese ganzen Firmen und Vereine die anscheinend zu blöd sind, sich eine Fanpage auf Facebook anzulegen. Nein sie brauchen ein Profil, mit dem Namen “Buschenschank XX”, “Irgendeine Partei”, “Fahrschule YY” und wie meine ganzen Freunde da noch heißen. Der letzte Schrei ist übrigens eine Anwendung, die mir verrät wie alt ich auf meinem Profilbild aussehe. Ich bin auch darauf reingefallen, aber mein Alter hat es nicht erraten. Wobei, eigentlich schon, denn 20 Jahre bin ich ja, aber nicht auf meinem Profilbild. Aber es gibt Leute die tatsächlich noch kommentieren “Wow, das funktioniert wirklich”. Ich mein, wie blöd sind diese Leute überhaupt? Anstatt über Netzsperren zu diskutieren, sollte man wohl besser über einen Internet-Führerschein sprechen. Mit dem Auto darf ja auch nicht jeder fahren wann er will!

Und wenn mir jetzt einer kommt mit “Du kannst die Leute ja blockieren”, dann möchte ich euch nur sagen: “Versucht mal 700 Leute zu blockieren”. Da lösche ich ja noch vorher mein Profil auf Facebook. Was aber wieder nicht geht, da ich bereits zu viele Fanpages für Kunden gemacht habe und ich nicht weiß was aus denen dann wird. Werden die etwa auch gelöscht, oder verwaisen die dann?? Gut, jetzt habe ich mich lang genug mit Facebook beschäftigt. Ich werde mal eine Nacht darüber schlafen und mir morgen ein neues total hippes sozieles Netzwerk suchen. Vielleicht Diaspora?

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